Trost

Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld

Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld der Welt und ihrer Kinder; es geht und büsset in Geduld die Sünden aller Sünder; es geht dahin, wird matt und krank, ergibt sich auf die Würgebank, verzeiht sich aller Freuden; es nimmet an Schmach, Hohn und Spott, Angst, Wunden, Striemen, Kreuz und Tod und spricht: Ich will's gern leiden.

Das Lämmlein ist der grosse Freund und Heiland meiner Seelen; den, den hat Gott zum Sündenfeind und Sühner wollen wählen. Geh hin, mein Kind, und nimm dich an der Kinder, die ich ausgetan zur Straf und Zornesruten; die Straf ist schwer, der Zorn ist gross, du kannst und sollst sie machen los durch Sterben und durch Bluten.

Paul Gerhardt. Paul Gerhardt, 1647 (Auszug)