Am Abend

Nun ruhen alle Wälder

Nun ruhen alle Wälder, Vieh, Menschen, Städt und Felder, es schläft die ganze Welt; ihr aber, meine Sinnen, auf, auf, ihr sollt beginnen, was eurem Schöpfer wohlgefällt.

Wo bist du, Sonne, blieben? Die Nacht hat dich vertrieben, die Nacht, des Tages Feind. Fahr hin; ein andre Sonne, mein Jesus, meine Wonne, gar hell in meinem Herzen scheint.

Der Tag ist nun vergangen, die güldnen Sternlein prangen am blauen Himmelssaal; so, so werd ich auch stehen, wann mich wird heissen gehen mein Gott aus diesem Jammertal.

Breit aus die Flügel beide, o Jesu, meine Freude, und nimm dein Küchlein ein. Will Satan mich verschlingen, so lass die Englein singen: dies Kind soll unverletzet sein.

Paul Gerhardt. Paul Gerhardt, 1647 (Auszug aus 9 Strophen)