Trost

Du, Nachbar Gott

Du, Nachbar Gott, wenn ich dich manchesmal in langer Nacht mit hartem Klopfen störe, , so ist's, weil ich dich selten atmen höre und weiss: Du bist allein im Saal.

Und wenn du etwas brauchst, ist keiner da, um deinem Tasten einen Trank zu reichen: ich horche immer. Gib ein kleines Zeichen. Ich bin ganz nah.

Nur eine schmale Wand ist zwischen uns, durch Zufall; denn es könnte sein: ein Rufen deines oder meines Munds , und sie bricht ein ganz ohne Lärm und Laut.

Rainer Maria Rilke. Rainer Maria Rilke, «Das Stundenbuch» (1899/1905)