Die Walliser Alpen

Stille · Atemgebet

Mit jedem Atemzug

10 Min. · Stimme Lana · Gen 2,7

Zehn Minuten mit dem Einfachsten, was du Gott hinhalten kannst: deinem Atem. Auch ohne jede Erfahrung mit Meditation.

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Willkommen. Die nächsten zehn Minuten gehören dir und Gott. Du musst dafür nichts können und keine Erfahrung mitbringen. Ich sage dir jeweils, was du in der Stille tun kannst. Und wenn es einmal nicht gelingt, ist das auch in Ordnung.

Such dir einen Platz, an dem du gut sitzen kannst. Auf einem Stuhl zum Beispiel, beide Füsse auf dem Boden. Der Rücken aufrecht, ohne steif zu werden. Die Hände liegen locker auf den Oberschenkeln, die Handflächen nach oben oder nach unten, wie es sich richtig anfühlt.

Wenn du magst, schliess die Augen. Oder lass den Blick ein Stück vor dir auf den Boden sinken, ohne etwas anzuschauen.

Geh kurz mit der Aufmerksamkeit durch deinen Körper. Die Stirn darf sich glätten. Der Kiefer darf locker werden, die Zunge liegt ruhig im Mund. Die Schultern sinken ein Stück nach unten. Und der Bauch darf weich sein, du musst ihn nicht einziehen.

Wir tun heute etwas sehr Altes. Schon vor vielen Jahrhunderten haben Christen ihr Gebet mit dem Atem verbunden. Der Atem ist immer da. Du nimmst ihn überallhin mit, ins Büro und ans Krankenbett.

Im Buch Genesis wird erzählt, wie Gott den Menschen aus Erde vom Ackerboden bildet. Dann bläst er ihm den Lebensatem in die Nase. Und so wird der Mensch lebendig.

Jeder Atemzug, den du heute gemacht hast, kommt von dort her. Du empfängst ihn, jeden einzelnen.

Beginnen wir. Richte deine Aufmerksamkeit auf den Atem. Du musst ihn nicht verändern. Beobachte nur, wie er von selbst kommt und geht.

Vielleicht merkst du, wo du ihn am deutlichsten spürst. An der Nase, wo die Luft kühl hereinkommt und etwas wärmer wieder hinausgeht. Oder im Bauch, der sich hebt und senkt. Bleib an dieser Stelle.

Es werden Gedanken kommen. Das ist ganz normal, auch bei Menschen, die seit vierzig Jahren so beten. Wenn du merkst, dass du abgeschweift bist, zur Einkaufsliste, zu einem Gespräch von gestern, dann lass den Gedanken ziehen und kehr zum Atem zurück. Ohne Ärger. Jedes Mal, wenn du zurückkehrst, betest du.

Jetzt geben wir dem Atem ein Wort mit. Beim Einatmen sprichst du innerlich, ganz ohne Stimme: Atem Gottes. Und beim Ausatmen: in mir.

Einatmen: Atem Gottes.

Ausatmen: in mir.

Einatmen: Atem Gottes.

Ausatmen: in mir.

Mach so weiter, in deinem eigenen Tempo. Die Worte passen sich deinem Atem an. Wenn die Worte stören, lass sie weg und bleib einfach beim Atem.

Atem Gottes. In mir.

Einatmen: Atem Gottes. Ausatmen: in mir. Ganz ohne Eile.

Wenn du jetzt merkst, dass du irgendwo anders warst, macht das nichts. Merk dir einfach, wo du warst, und komm freundlich zurück. Atem Gottes. In mir.

Jetzt kannst du beim Ausatmen etwas mitgeben. Was dich heute beschäftigt. Eine Sorge oder den Namen eines Menschen. Du atmest es aus, zu Gott hin. Beim Einatmen empfängst du wieder, was er dir gibt.

Lass jetzt auch die Worte los. Bleib einfach da. Du atmest, und Gott ist da.

Langsam kommen wir zum Ende. Nimm noch einmal wahr, wie du sitzt. Die Füsse auf dem Boden. Die Geräusche um dich herum, vielleicht ein Auto, vielleicht eine Stimme im Treppenhaus.

Gott, danke für jeden Atemzug. Für die, die ich bemerkt habe, und für die vielen, die ich nie bemerke. Du hältst mich am Leben, auch wenn ich nicht an dich denke. Ich gebe dir diesen Tag, so wie ich dir eben meinen Atem gegeben habe. Amen.

Ein kleiner Vorsatz für heute: Wenn du an einer roten Ampel stehst oder auf den Bus wartest, nimm einen einzigen bewussten Atemzug. Und denk dabei: Atem Gottes, in mir.

Öffne die Augen, wenn du so weit bist. Und nimm dir Zeit, bevor du aufstehst.