Sturm über dem See

Schönstatt · Teil 7

Ein Mann, der nicht aufgab

10 Min. · Stimme Michael · Joh 12,24

Teil sieben: die Geschichte von Josef Kentenich. Waisenhaus, Konzentrationslager Dachau, vierzehn Jahre Verbannung, und ein Vertrauen, das all das überstanden hat.

Schönstatt

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Im letzten Teil dieser Reihe erzähle ich dir eine Lebensgeschichte. Die von Josef Kentenich, dem Priester aus der kleinen Kapelle am Rhein. Mach es dir bequem. Du kannst dabei die Augen schliessen.

Gott, du gehst mit jedem Menschen einen eigenen Weg. Lass mich heute zuhören.

Josef Kentenich kommt 1885 in einem Dorf bei Köln zur Welt. Seine Mutter ist nicht verheiratet. Das gilt damals als Schande, und das Kind spürt es. Als er acht Jahre alt ist, kann sie nicht mehr für ihn sorgen. Sie bringt ihn in ein Waisenhaus in Oberhausen. In der Kapelle dort stellt sie sich mit ihm vor eine Marienfigur und bittet Maria, von jetzt an seine Mutter zu sein. Ihr eigenes kleines Kreuz an der Kette hängt sie der Figur um.

Der Junge bleibt allein zurück. Fünf Jahre lebt er im Waisenhaus.

Er wird Priester, bei den Pallottinern. In den Jahren davor ist er oft krank, und er ringt lange mit Zweifeln am Glauben. Mit sechsundzwanzig wird er Begleiter der Jungen im Internat in Schönstatt. Was im Oktober 1914 in der kleinen Kapelle geschah, hast du im ersten Teil gehört. Aus der Gruppe von Jungen wird mit den Jahren eine Bewegung, zu der bald auch Frauen, Familien und Priester gehören. Sie wächst in Deutschland und später in anderen Ländern.

Dann kommen die Nationalsozialisten an die Macht. Kentenich spricht in seinen Vorträgen von der Würde des Menschen und von innerer Freiheit. Das fällt auf. Im September 1941 verhaftet ihn die Gestapo. Vier Wochen lang sitzt er in Koblenz im Keller, in einem alten Banktresor. Kein Licht, keine Heizung, nur Beton.

Dann gibt es eine Möglichkeit. Er könnte sich ärztlich untersuchen lassen. Vielleicht würde man ihn für lagerunfähig erklären, und er käme um das Konzentrationslager herum. Seine Leute drängen ihn dazu. Er betet und denkt lange nach. Am zwanzigsten Januar 1942 entscheidet er sich dagegen. Er will sein Leben ganz in Gottes Hand legen, für die Menschen, die er begleitet, und für das, was in Schönstatt gewachsen ist.

Im März 1942 kommt er ins Konzentrationslager Dachau. Fast dreitausend Geistliche werden dort im Lauf des Krieges eingesperrt, zusammengepfercht und hungrig. Im letzten Kriegswinter bricht Fleckfieber aus, und sehr viele sterben.

Kentenich hört Mithäftlingen die Beichte und spricht mit ihnen, obwohl es verboten ist. Er schreibt heimlich Gebete in Versen, die aus dem Lager geschmuggelt werden. Im Herbst 1945 erscheinen sie als Gebetbuch. Sogar im Lager baut er an seiner Bewegung weiter, mit Häftlingen aus verschiedenen Ländern.

Im April 1945, wenige Wochen vor Kriegsende, kommt er frei. Er ist fast sechzig.

Ruhig wird es danach nicht. Er reist zu den Gemeinschaften in Südamerika, in Afrika und in den USA. Er stellt der Kirche seiner Zeit auch unbequeme Fragen. Es gibt Streit, und Rom schickt einen Gesandten, der das Werk prüfen soll. Am Ende entscheidet Rom, dass er sich von seinem Werk trennen muss. Kontakt zu seinen Leuten ist ihm verboten. Er muss Europa verlassen und kommt nach Milwaukee in den Vereinigten Staaten.

Die Trennung dauert vierzehn Jahre.

Er fügt sich. In Milwaukee kümmert er sich um eine Gemeinde deutscher Auswanderer.

Was in ihm vorging, wissen wir nur zum Teil. Er hat weiter geglaubt, dass Gott auch durch dieses Exil spricht, so wie er es seinen Leuten immer beigebracht hatte.

Im Oktober 1965 hebt Rom die Massnahmen gegen ihn auf. Im Dezember empfängt ihn Papst Paul der Sechste. Kentenich ist achtzig. An Heiligabend ist er wieder in Schönstatt. Drei Jahre bleiben ihm noch. Am fünfzehnten September 1968 feiert er die Messe in der neuen Dreifaltigkeitskirche auf dem Berg in Schönstatt. Danach bricht er in der Sakristei zusammen und stirbt. Er ist zweiundachtzig.

Jesus hat einmal von einem Weizenkorn gesprochen. Johannes hat es aufgeschrieben. Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde hineinfällt und erstirbt, so bleibt es für sich allein; wenn es aber erstirbt, bringt es reiche Frucht.

Kentenich hat in seinem Leben vieles hergeben müssen, zuletzt für vierzehn Jahre das Werk, das er gegründet hatte. Und auch in dieser Zeit ist es weitergewachsen.

Vielleicht kennst du auch etwas, das du hergeben musstest. Eine Beziehung vielleicht, oder einen Plan für dein Leben. Oder du steckst gerade in einer Zeit, in der nichts vorwärtsgeht.

Bleib einen Moment dort. Du musst nichts erklären. Halte es Gott hin.

Und dann frag ihn leise: Kann daraus etwas wachsen?

Gott, Josef Kentenich hat dir vertraut, im Lager in Dachau und in den langen Jahren in Amerika. Ich weiss nicht, ob ich das könnte. Ich gebe dir, was ich hergeben musste. Und das, was gerade nicht vorwärtsgeht.

Maria, du hast ihn als Kind aufgenommen, als seine Mutter nicht mehr konnte. Nimm auch mich, wenn ich allein dastehe, und bring mich zu deinem Sohn. Amen.

Ein Vorsatz zum Schluss dieser Reihe: Wenn dein Krug das nächste Mal ins Feuer geht, nimm dir zehn Minuten Zeit. In der App findest du dafür eine eigene Andacht. Bis dahin legst du jeden Abend deine Zettel in den Krug.

Danke, dass du diese sieben Teile mitgegangen bist. Gott segne dich.